Internationalisierung und Mentalitätswandel

Die unterschiedlichen Chancen von Frauen am Arbeitsplatz wurden im Zuge der Internationalisierung der Allianz auch im Unternehmen sichtbar, weil nach der Übernahme von Firmen in anderen Ländern unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinandertrafen. In Frankreich etwa waren die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich besser: Hier waren bereits in den 1960er Jahren wesentlich mehr Frauen als in Deutschland berufstätig. Ein zusätzlicher Impuls kam nach 1989 aus den einst sozialistischen Staaten, in denen über 90 Prozent der Frauen vollzeitbeschäftigt gewesen waren.


Rita Steinke, Heidi Trompetter, Jaqueline Fehse und Sylvia Höter (von links) von der Deutschen Versicherungs-AG (DV) bei einer Schulung in Hamburg: Über 90 Prozent der Mitarbeiter der DV waren Frauen.

Die Neugründung der Deutschen Versicherungs-AG als Nachfolgeunternehmen der Staatlichen Versicherung der DDR führte dazu, dass die Allianzer die "kleinen Unterschiede" besonders im Vertrieb erleben konnten: Plötzlich gewannen viele Frauen die Auszeichnung als beste Vertreter im Heß-Club, während der Außendienst in der alten Bundesrepublik eine Männerdomäne war. Bis heute ist der Anteil von Frauen im Außendienst in Ostdeutschland zwar gesunken, aber im gesamtdeutschen Vergleich immer noch überdurchschnittlich hoch.

Frauenförderung ist im letzten Jahrzehnt zu einem wichtigen Thema in der Gesellschaftspolitik geworden, was beispielsweise eine Kampagne des Bundesministeriums für Familie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf von 2001 zeigt. Die Reform des Bundeserziehungsgeldgesetzes von 2007 ermöglicht Eltern, die Kinderbetreuung flexibler zu gestalten. Dank der Regelungen zur Elternzeit können sich nun auch Väter leichter an den Erziehungsaufgaben beteiligen. Das Ziel lautet: Frauen und Männer sollen sich nicht mehr zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen. Die steigende Anzahl von Vätern bei der Allianz, die Elternzeit nehmen, spricht dafür, dass ein Mentalitätswandel eingesetzt hat und sich immer öfter Frauen und Männer gleichermaßen für Familie und Beruf engagieren wollen. Beim Rückblick auf das bisher Erreichte offenbart sich, dass wirkliche Fortschritte nur durch Veränderungen in den Köpfen erzielt werden können.