"Kann eine Frau das gleiche leisten?"

Die sozialen Bewegungen der 1960er Jahre veränderten die westlichen Gesellschaften nachhaltig. Studentinnen kämpften neben Studenten für gesellschaftliche Veränderungen und lernten so, für ihre Rechte einzutreten. Dabei bemerkten sie sehr schnell, dass selbst ihre Kommilitonen keineswegs automatisch Verbündete im Streben um Gleichberechtigung waren. Es bildete sich eine neue Frauenbewegung, der es gelang, Themen wie weibliche Sexualität oder Abtreibung in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu heben und lebhafte Diskussionen darüber in Gang zu setzen.


Die Auswahl der Bilder legt nahe, dass es sich aus Sicht des Gestalters dieses Prospektes von Allianz Leben bei mitarbeitenden Ehegatten auch Ende der 1970er Jahre noch ausschließlich um Frauen handelt.

Die Allianz machte sich seit Mitte der 1970er Jahre vermehrt Gedanken darüber, die Chancen der Frauen am Arbeitsplatz zu verbessern. In der Märzausgabe der Mitarbeiterzeitung der Allianz von 1976 stellte die Redaktion anlässlich des Jahres der Frau, das allerdings bereits drei Monate vorher zu Ende gegangen war, auf zwei Seiten Zahlen und Fakten "rund um die Frau" zusammen. Zum Stand der Dinge schrieb der Autor: "Bei all dem muss man ganz nüchtern feststellen, daß eines ganz bestimmt beim Alten geblieben ist: Frauen haben es immer noch schwerer im Berufsleben als Männer. Sie werden oft finanziell benachteiligt und können nicht mit den gleichen Aufstiegschancen rechnen. Da sind wohl noch einige ,Jahre der Frau' nötig." Dieses harsche Urteil wird verständlich, wenn man sich das Ergebnis einer Befragung der Soziologin Helge Pross, einer damals führenden Frauenforscherin, vor Augen führt, die Vorstandsmitgliedern, Prokuristen und Direktoren deutscher Aktiengesellschaften folgende Frage gestellt hatte: "Kann Ihrer Ansicht nach eine Frau an Ihrer Stelle das gleiche leisten?" Darauf antworteten 86 Prozent der Befragten mit "Nein".