Bescheidene Fortschritte

Im öffentlichen Leben machten Frauen nun häufiger Karriere. So wurde Annemarie Renger 1972 Bundestagspräsidentin. Margaret Thatcher stieg zur ersten Vorsitzenden der Konservativen Partei und später zur Premierministerin von Großbritannien auf. Und Gro Harlem Brundtland wurde 1981 erste norwegische Regierungschefin. Auch bei der Allianz stiegen seit den 1970er Jahren einzelne Frauen in gehobene Bereiche auf. Luise Stepken bekleidete eine führende Position in der Betriebsorganisation und wurde 1975 Prokuristin, Anneliese Ammann leitete das Übersetzungsbüro, Christine Schlather wurde 1975 zur Vorstandsvorsitzenden der Betriebskrankenkasse der Allianz gewählt und Hermine Macht brachte es bis zur stellvertretenden Personalleiterin der Hauptverwaltung der Allianz.


Eine Frau an der Macht: 1979 wird Margaret Thatcher Premierministerin und prägt für mehr als eine Dekade die Weltpolitik.

Auch bei der Mitarbeitervertretung der Allianz konnten Frauen nun aufsteigen. So wurde Ulrike Mascher, die seit 1975 im Betriebsrat der Hauptverwaltung war, 1980 zu dessen Vorsitzender gewählt und gehörte dem Aufsichtsrat der Allianz an. Beim Aufstieg der Frauen halfen betriebliche Vereinbarungen wie flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit. Die Allianz führte 1970 gleitende Arbeitszeiten ein, noch ohne dabei explizit an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gedacht zu haben. Das Recht auf bezahlten Mutterschaftsurlaub, das Erziehungsgeld sowie die rechtliche Gleichstellung der Teilzeitarbeit erleichterten den Müttern dann immer öfter die Rückkehr in den Beruf.

Trotzdem blieben die Fortschritte bis 1990 insgesamt sehr bescheiden. Von den 25.924 Mitarbeitern der Allianz in Deutschland im Jahre 1991 waren 9.469 Frauen. Von diesen Frauen hatten 19 Prokura, drei davon waren Abteilungsdirektorinnen. Bei diesen Zahlen kann es kaum verwundern, dass nicht Hermine Macht, sondern der Personalchef der Zweigniederlassung Frankfurt den scheidenden Personalchef der Hauptverwaltung ersetzte. Oder dass Frau Mascher ihre Kariere in der Politik fortsetzte und nicht bei der Allianz. Der Vertrieb war weiterhin fest in Männerhand und doch passierte 1977 etwas Erstaunliches: Erstmals in der Geschichte des Heß-Clubs gab es mit Irmgard Beckmann eine Vizepräsidentin; und das bei einem weiblichen Anteil an der hauptberuflichen Vertreterschaft von zwei bis drei Prozent.