Die Männer sind wieder da – Die Frauen weichen

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt": So beschreibt seit 1949 das Grundgesetz die Stellung von Mann und Frau. Doch bis 1958 besitzt der Ehemann das "Letztentscheidungsrecht": Er kann den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen, wenn sie ohne seine Zustimmung arbeitet. Seit die Männer aus dem Krieg zurückgekehrt waren, hatten die meisten Frauen weichen müssen. Allenfalls Witwen konnten in Ausnahmefällen ihren Arbeitsplatz behalten.


Heimatfilmästhetik: Familienidyll in der Werbung der Allianz Lebensversicherung. (1959)

Die Worte "Wir sind unter Männern" stellt 1954 der Leiter der Betriebsorganisation Heinz-Leo Müller-Lutz an den Anfang seiner Tipps für den beruflichen Aufstieg. Eva von Grumbkow hat er dabei nicht im Blick. Sie erhält 1956 als erste Frau seit Kriegsende Prokura und leitet die Abteilung Buchhaltung und Statistik. Doch anders als in der Werbung, wo die Allianz 1969 "Die moderne Frau" entdeckt, gelingt Frauen am Arbeitsplatz kaum je ein Aufstieg. Anfang der 1970er Jahre, ein erster Versuch für die Einführung gleitender Arbeitszeit war gerade gestartet, sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Von 1.250 Mitarbeitern der Hauptverwaltung in München sind 489 Frauen und von 71 Prokuristenstellen ist eine mit einer Frau besetzt.