Widersprüche: Frauenrollen in der NS-Zeit

1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland, die junge Demokratie wurde innerhalb weniger Monate zerstört. Die NS-Ideologie engte die Rolle der Frau auf ihre Funktion als Mutter, Ehefrau und Hausfrau ein. So forderten die NS-Behörden in der Zeit der Massenarbeitslosigkeit männliche Arbeitslose einzustellen und starteten eine Kampagne gegen Doppelverdiener, die sich gegen berufstätige verheiratete Frauen richtete.


„Die Frau im Betriebe: Ehe- und Adoptionsberatung.” Die Betriebszeitschrift „Der Allianz-Adler” im Dienst der NS-Familienpolitik. (1938)

Ob die Zahl weiblicher Mitarbeiter bei der Allianz tatsächlich sank, lässt sich aufgrund fehlender Statistiken nicht feststellen. In den Publikationen des Unternehmens der Zeit sind sie präsenter denn je. Sei es die Allianzerin Anni Kapp, die bei den Olympischen Spielen 1936 am Kunstsprungwettbewerb teilnahm, seien es die Mitglieder der diversen betrieblichen Frauensportgruppen. Breiten Raum nahmen die politischen und propagandistischen Aktivitäten der Frauensektion der Deutschen Arbeitsfront und der weiblichen NSDAP-Mitglieder ein, die im Betrieb Arbeitskreise organisierten und für das nationalsozialistische Winterhilfswerk sammelten. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahmen immer mehr Frauen die unterschiedlichsten Funktionen anstelle der zum Kriegsdienst eingezogenen Männer. Frauen mussten zeitweise über die Pensionsgrenze von 60 Jahren hinaus weiterarbeiten oder konnten nach der Pensionierung wieder befristet beschäftigt werden. Im Krieg waren so in Niederlassungen der Allianz zwei Drittel aller Stellen im Innendienst mit Frauen besetzt.